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Dauerschwänzen macht Karriere

Seit Jahren steigt die Zahl der Schulverweigerer in Sachsen. Auffällig sind dabei die Unterschiede zwischen den beiden Großstädten Leipzig und Dresden. Während der Anteil der Schulschwänzer in Leipzig weiter wächst, gehen Dresdens Schüler – zumindest statistisch betrachtet – brav zur Schule. Das geht aus einer Statistik des sächsischen Kultusministeriums von 2012 hervor. Mehr als 1300 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten durch wiederholtes Schule Schwänzen wurden in Leipzig im vergangenen Jahr eingeleitet. Das sind über 300 Anzeigen mehr als im Jahr 2010, was einer Steigerung um 33 Prozent entspricht. Der landesweite Trend zeigt in die gleiche Richtung: Die Zahl der Schulverweigerer steigt in ganz Sachsen seit fünfzehn Jahren stetig an.

Sachsen ist eines der wenigen Bundesländer, das überhaupt Zahlen zur Schulverweigerung erhebt. Deshalb ist kein bundesweiter Vergleich möglich. Aber schon die Unterschiede zwischen den beiden größten Städten Sachsens, Leipzig und Dresden, sind eklatant: In den Jahren 2010 und 2011 stieg die Zahl der Schulverweigerer in Leipzig und Dresden noch fast parallel an. Im Jahr 2012 konnte der Anteil der Schulschwänzer in Dresden allerdings fast halbiert werden, in Leipzig nahm die Zahl dagegen weiter zu.

Die Gründe für das Auseinanderdriften der Städte sind weitgehend unbekannt und bereiten auch den Behörden Kopfzerbrechen. Das Amt für Jugend, Familie und Bildung in Leipzig verweist auf besonders viele soziale Problemfälle in der Stadt. Bis vor einem Jahr lebten in keiner anderen deutschen Großstadt so viele Menschen in Armut wie in Leipzig. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor.

Stephanie Schöne ist Bereichsleiterin für Bildung bei Plan L gGmbH, einem Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe, und koordiniert das Projekt “Schulverweigerung – Die 2. Chance”. Bei der Suche nach möglichen Gründen für Schulverweigerung verweist sie auf ein statistisches Problem. Es sei nicht verpflichtend, Schulverweigerer zu melden. Die Schulleiter entschieden selbst, ob sie ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten und den Fall damit amtlich machen. Wichtiger noch als Ursachenforschung sei ihrer Meinung nach, dass Schulverweigerer überall einheitlich behandelt werden. Problematisch sei, dass es keine Möglichkeit für Lehrer gebe, Schulverweigerung zu melden, ohne gleichzeitig rechtliche Konsequenzen für den Schüler zu verursachen.

Vom Dauerschwänzen am stärksten betroffen sind in Leipzig übrigens die Berufs- und Mittelschulen mit 80 Prozent aller gemeldeten Schulpflichtverletzungen im Jahr 2011. Sehr viel seltener schwänzten hingegen Grundschüler und Gymnasiasten. Integrationsprogramme wie Die 2. Chance sollen der aktuellen Entwicklung entgegenwirken und schulmüde Jugendliche in die Klassenzimmer zurückbringen.